Jedes Kind muss die gleichen Chancen haben

Wir freuen uns, dass es jetzt los geht mit dem Bildungsbonus. Vielen Dank, Frau Ministerin, für den Bericht und vielen Dank an Sie und Ihr Haus für die Erstellung des Konzepts. Wir sind uns bewusst, dass wir das Ministerium und den Gutachter durch das Vorziehen um ein Jahr ganz schön gefordert haben. Aber es hat sich gelohnt.

Der Bildungsbonus ist für uns Grüne ein sehr wichtiges Projekt, denn wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind die gleichen Chancen haben muss, seinen individuellen Bildungsweg zu gehen und etwas aus seinem Leben zu machen. Das ist heute leider nicht überall der Fall. Manche Kinder haben einen schwierigen familiären Hintergrund oder kommen aus bildungsfernen Schichten.

Dass diese Kinder und Jugendlichen nicht überall gut aufgefangen werden können, zeigt sich unter anderem in der Schulabbrecherquote, die in Schleswig-Holsteinimmer noch vergleichsweise hoch ist. An manchen Schulen bündeln sich diese Schwierigkeiten. Dort reichen die zur Verfügung stehenden zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen nicht aus, um individuell zu fördern. Diese Schulen hatten es in der Vergangenheit nicht gerade einfach und haben es nun mehr als verdient, Unterstützung durch den Bildungsbonus zu erhalten.

Der vom Bildungsministerium entwickelte Index zeigt, welche Schulen besonders dringend Unterstützung benötigen. Wir haben uns gegen das Gießkannen-Prinzip aus-gesprochen und fördern die ersten 20 Schulen mit insgesamt 25,5Millionen Euro bis 2024 besonders stark, 40 weitere werden folgen.

Bei der Auftaktveranstaltung in der vergangenen Woche mit den PerspektivSchulen, wie die Bildungsbonus-Schulen zukünftig heißen, war eine enorme Aufbruchsstimmung zu spüren. Die Schulen freuen sich über die zusätzliche Unterstützung und empfinden sie als Wertschätzung für ihre Arbeit und als Anerkennung ihrer herausfordernden Situation. Es war auch richtig, dass wir die Mittel deutlich, um drei Millionen Euro pro Jahr, aufgestockt haben. Größere Schulen können in diesem Jahr mit mehr als 100.000 Eurozusätzlich rechnen. So bekommen die Schulen einen wirklichspürbaren zusätzlichen Betrag.

Die Schulen überlegen jetzt im Detail, wofür sie die Mittel einsetzen: Für mehr Lehrer*innenstellen, damit die Lehrkräfte weniger Unterricht geben müssen und dafür mehr Zeit für beispielsweise Vor- und Nachbereitung oder Absprachen im Team bekommen. Für mehr Schulsozialarbeit oder vielleicht für eine zusätzliche Verwaltungskraft, die die Schulleitung und die Lehrkräfte unterstützt. Vielleicht aber auch für handwerkliche oder kreative Angebote.

Jede Schule ist anders und wird ihr eigenes Konzept entwickeln. Dieser Freiraum kommt bei den Schulen sehr gut an. Ein Schulleiter sagte mir: „Jetzt bekommen wir als Schulleitung eine neue, ungewohnte Rolle. Wir dürfen selbst Geld ausgeben und müssen überlegen, wofür und wie wir das machen.“

Es war auch ein bisschen Respekt vor dieser Aufgabe zu spüren. Deshalb ist es zum einen gut, dass die Schulen bei der Erarbeitung der Konzepte vom Ministerium und vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) begleitet werden. Ein Blick von außen oder auch eine Moderation lassen vielleicht klarer werden, welche Ziele auf welchen Wegen erreicht werden können und sollen, um den Unterricht weiter zu entwickeln.

Zum anderen ist es gut, dass die Schulleiter*innen gecoacht werden. Die Vorträge unter anderem von der Schulleiterin der Rütli-Schule bei der Auftaktveranstaltunghaben haben gezeigt, wie wichtig eine starke Schulleitung ist, die Ideen hat und gleichzeitig das Kollegium mitnehmen kann. Denn ohne ausreichend Motivation und Engagement im Kollegium wird auch die beste Idee nicht fruchten.

Die Einführung der Wübben Stiftung, die die Begleitung der Schulleiter*innen übernehmen wird, hat neugierig gemacht auf das, was kommt. Der Bildungsbonus in Schleswig-Holstein ist ein schönes Beispiel dafür, wie man positiven Beispielen folgen kann. Die tollen Entwicklungen in Berlin oder Hamburg zeigen, wie zusätzliche Unterstützung positiv wirkt und bei Lehrkräften, Schüler*innen und auch Eltern zu einer hohen Zufriedenheit früht. Aus Schulen am Rand ihrer Kräfte sind gelingende Schulen geworden.

Manchmal werden diese sogenannten Bildungsbonus-Schulen sogar zu den beliebteren Schulen. Das haben wir auch beim Besuch des Bildungsausschusses an der Stadtteilschule in Hamburg-Wilhelmsburg im letzten Jahr gesehen.Besonders schön finde ich auch die Öffnung ins Quartier: Bei einem Besuch von Eka von Kalben und mir im Bildungshaus Lurup vor ein paar Wochen hat sich gezeigt, dass die Vernetzung im Stadtteil sehr fruchtbar ist, indem man zum Beispiel die örtliche Jugendsozialarbeit mit einbinde,.

Eltern können auch verschiedene Unterstützungssysteme gebündelt im Bildungshaus wahrnehmen. So wird die Hürde abgebaut, sich Hilfe zu holen. Das Bildungshaus Lurup istzu einer gelingenden Einrichtung geworden. Dort arbeiten Kita und Schule eng zusammen. Das Bildungshaus hat vor ein paar Tagen den 2. Preis beim bundesweiten Kitapreis bekommen.

Beim Bildungsbonus geht es ganz klar um soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Kinder und Jugendliche bekommen Unterstützung und Förderung, um erfolgreich in der Schule zu sein und gut im Beruf anzukommen. Das ist in erster Linie wichtig für die Schüler*innen, aber auch volkswirtschaftlich ist eine gute Bildungslaufbahn ein Gewinn. Und ich finde in diesem Kontext auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt enorm wichtig: Wir dürfen niemanden zurücklassen, niemanden abhängen, denn für jede und jeden gibt es einen Platz in unserer Gesellschaft. Diesem Ziel kommen wir mit dem Bildungsbonus an den PerspektivSchulen ein Stückchen näher.

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