Ohne Informatik läuft heutzutage nichts mehr

Rede im Landtag zum Thema "Informatikunterricht zukunftsweisend voranbringen" (6. September 2018) Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ines Strehlau Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, für unsere Kinder ist der Umgang mit Computern und digitalen Medien selbstverständ-lich. Allerdings hat eine internationale Studie (ICILS) bei Achtklässler*innen vor einigen Jahren ergeben, dass deutsche Schüler*innen bei informations- und computerbezogenen Kompetenzen nur im Mittelfeld lagen. Die vermeintlichen „digital natives“, also die Kinder und Jugendlichen, die mit Computer und Smartphone aufwachsen, konnten zu weniger als der Hälfte und nur mit Hilfestellungen Informationen ermitteln, diese bearbeiten sowie zum Beispiel einfache Textdokumente erstellen. Und weniger als ein Viertel der Achtklässlerinnen und Achtklässler waren in der Lage, mit einem Computer eigenständig Informationen zu suchen und zu bearbeiten. Außerdem war die Ausstattung mit Breitband und Computern häufig verbesserungswürdig. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Ich bin gespannt, was die Nachfolgestudie ergibt. Die Daten werden gerade erhoben. Auch wir in Schleswig-Holstein sind bei der Digitalisierung in den Schulen eher noch am Anfang. Die Digitalisierung außerhalb der Schule schreitet aber rasant voran, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Wir müssen also einen Zahn zulegen. Mit den digitalen Modellschulen, dem flächendeckenden Breitbandausbau an Schulen bis 2020, dem Glasfaserzugang an den Schulen, der Möglichkeit ein WLAN-Netz aufzubauen und den hoffentlich vom Bund fließenden Digitalisierungsmillionen für Schulen unterstützen wir die digitale Entwicklung der Schulen. Wir bringen also die Hardware auf Vordermann. Mit der Digitalisierung verändert sich auch das Lernen. Mehr Individualisierung, kompetenzorientierter Unterricht, projektbasierte Lern- und Unterrichtsmethoden, das Finden, Sortieren und Bewerten von Informationen sind nur einige Aspekte dieser Veränderung. Egal in welches Berufsfeld sich unsere Kinder nach ihrem Schulabschluss begeben, egal welchen beruflichen Anforderungen sie sich stellen, die Grundlage für ihr Fortkommen besteht aus den Fähigkeiten: Wissen, Bewerten, Handeln. Dies war auch schon in der analogen Welt der Kompetenzsockel für die demokratische Gesellschaft. In der digitalen Welt mit der unüberschaubaren Menge an Informationen ist die Herausforderung, das zu leisten noch komplexer und wichtiger. In der Strategie der Kultusministerkonferenz zur „Bildung in der Digitalen Welt“ heißt es dazu: „Insgesamt wird es noch stärker darauf ankommen, Fakten, Prozesse, Entwicklungen einerseits einzuordnen und zu verknüpfen und andererseits zu bewerten und dazu Stellung zu nehmen.“ Schleswig Holstein strebt in Anlehnung an die Strategie der Kultusministerkonferenz eine interdisziplinäre Medienbildung und Informatikunterricht als ein Angebot für alle Schülerinnen und Schüler an. Wir alle wissen: Im Leben der Heranwachsenden spielen die digitalen Medien eine sehr große Rolle. Insbesondere durch die sozialen Medien wird deutlich: Schon die Kinder sind nicht nur konsumierende sondern auch produzierende Nutzerinnen und Nutzer des Internets. Medienkompetenz bedeutet also bereits für die Heranwachsenden nicht nur ein kritischer Umgang mit den Informationen aus dem Netz sondern auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen, die sie selbst in das Netz stellen. Hier ist pädagogische Unterstützung erforderlich. Das gilt ganz Besonders dort, wo von Zuhause keine Unterstützung erfolgen kann. Daneben zielt ein zukunftsweisender Unterricht aber auch auf die Beantwortung der Frage: „Wie funktioniert die automatisierte Informationsverarbeitung?“ Heutzutage steuert und bewegt die Informatik fast alles – oder anders formuliert: Ohne Informatik läuft heutzutage nichts mehr! Das Profilfach „Informatik“ in der Oberstufe soll die Abiturientinnen und Abiturienten mit einem weitreichenden Grundverständnis ausstatten. Es ist ein Baustein für zukunftsweisende Bildung und gibt die Chance zu einer stärkeren Schwerpunktsetzung nach eigenem Interesse. Wir müssen bei dem Profil auch das Feld der künstlichen Intelligenz einbeziehen. Denn Computer und Programmierung von heute, wird nicht die Steuerung von morgen sein. Es gibt Schulen, die schon in der letzten Wahlperiode gern ein Informatikprofil angeboten hätten. Zu der Zeit hatten wir aber zu wenige Lehrkräfte für die Sekundarstufe II. Das ist jetzt besser und wir können starten. Aber wir müssen für ein flächendeckendes Angebot an Informatik, nicht nur in der Oberstufe, noch mehr Lehrkräfte gewinnen. Deshalb werden wir auch in Zukunft ausreichend Studienplätze zur Verfügung stellen und außerdem Weiterbildungen anbieten, um Lehrkräfte weiter zu qualifizieren. Die Anerkennung als Mangelfach ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lehrkräf-tegewinnung. Denn damit ermöglichen wir Menschen, die Informatik studiert haben, durch Quer-, Seiten- oder Direkteinstieg den Einstieg in den Lehrer*innenberuf. Ich freue mich auf die ersten Informatik-Profile zum kommenden Schuljahr. ***

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