Nur was ich kenne, schütze ich auch

Landtagsrede zum Jahr der Bildung für nachhaltige Entwicklung (22. Januar 2020)

Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ines Strehlau:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte in einer Welt leben, in der alle Menschen gut leben können. Das ist Ansporn, auch für meine Politik hier in Schleswig-Holstein. Bildung ist für mich der Zugang zu diesem guten Leben. Ich muss die Welt und ihre Wirkungszusammenhänge verstehen, um meinem Platz in ihr zu finden und um informierte Entscheidungen treffen zu können. Bildung für nachhaltige Entwicklung will genau das. Sie befähigt Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln. Sie ermöglicht es jeder*m Einzelnen, die Auswirkungen des eignen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Wir hatten das Thema schon letztes Jahr hier im Landtag und haben deutlich gemacht, dass es schon viele tolle Projekte in der gesamten Bildungslandschaft in Schleswig- Holstein gibt: zum Beispiel die nachhaltigen Kitas21. Hier wird von Anfang an Identifikation mit der natürlichen Umgebung geschaffen, denn nur was ich kenne und verstehe, werde ich auch schützen. In den Haushalts-Verhandlungen für 2020 haben wir dafür extra noch Gelder rausgehandelt, damit dieses Projekt weiterlaufen kann.

Im Bereich Schule haben wir die Auszeichnung als Zukunftsschule und auch sonst Anknüpfungspunkte in so gut wie allen Fächern. Im Februar wird es einen Kongress in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrecht-Universität zum Thema BNE geben. Schüler*innen, Lehrkräfte und Wissenschaftler*innen sollen hier zusammenkommen. Das ist ein wichtiger und richtiger Baustein!

An unseren Hochschulen haben wir auch sonst exzellente Forschung auf dem Gebiet wie z.B. am Geomar oder auch in Studiengängen wie „Transformationsstudien“ in Flensburg, um nur zwei Akteure zu nennen.

Im außerschulischen Bereich haben wir das ganze Ehrenamt: Freiwilliges soziales Jahr, Freiwilliges ökologisches Jahr, Bundesfreiwilligendienste. Und auch so tolle Formate wie die Jugendaktionskonferenz, die am 17. Januar stattgefunden hat, und einen Bogen zur politischen Bildung schlägt. Und, und, und…

Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass BNE nicht nur Umweltbildung ist. Denn es geht um viel mehr. Die Nachhaltigkeitsziele der UN empfehlen sich als Leitfaden. Dort geht es um die Beendigung der weltweiten Armut und des Hungers, um Gesundheit, Gleichheit und Wohlergehen. Diese Ziele können wir, glaube ich, alle unterschreiben. Aber die kommen nicht von allein. Wir müssen uns ins Zeug legen, um sie zu erreichen.

Konkrete Beispiele sind die nachhaltige Versorgung mit sauberem Wasser und sauberer Energie. Es geht um nachhaltige Städte und Gemeinden, um nachhaltige Produktion und Konsum. Auch hochwertige Bildung ist eine Maßnahme zur Nachhaltigkeit. Die UN-Nachhaltigkeitsziele laufen im Jahr 2030 aus und die Zwischenbilanz sieht nicht gerade rosig aus. Der SDG-Report aus 2019 zeigt, dass die Weltgemeinschaft zwar viel über die Nachhaltigkeitsziele redet, aber zu wenig in ihre Umsetzung investiert. Wir müssen hier, wie beim Klimaschutz, schnell deutlich mehr erreichen!

Was müssen wir also tun? Eine zentrale Forderung ist die gemeinsame Verantwortung aller Akteure: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft – und jedes einzelnen Menschen. Wir brauchen eine nachhaltige Ausrichtung von Gesellschaft und Wirtschaft, damit es eine gute Zukunft für uns Menschen gibt. Klimawandel und Umweltzerstörung sind laut brandaktuellem Global Risk Report die globalen Risiken schlechthin. Erstmals haben die fünf Risiken, die am häufigsten genannt werden, allesamt mit der Umwelt zu tun.

Deshalb sind diese Themen auch wunderbare Aufhänger für BNE, weil bei diesen Themen alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche betroffen sind. Wir werden verstehen müssen, dass wir ein Teil dieser Welt sind und uns nicht aufführen können, wie wir wollen. Das Jahr der Bildung für Nachhaltige Entwicklung kann nur ein kleiner Anfang sein.

Wir müssen langfristig vom Projekt in die Struktur kommen. Dafür werden wir auch weitere Mittel brauchen und weitergehende Ansätze. Gerade wird unter Beteiligung vieler Akteur* innen die BNE-Strategie für Schleswig-Holstein entwickelt. Sie wird noch in diesem Jahr vorgestellt und wird uns aufzeigen, wie wir die Nachhaltigkeitsziele umsetzen können.

Ganz genau sollten wir uns die Ergebnisse des Schüler*innenkongresses dann nochmal anschauen! Bei Jugend im Landtag wurden schon in den letzten Jahren Forderungen nach einer noch größeren Integration des Themas im Unterricht deutlich. Auch die Berücksichtigung im schulischen Alltag, z.B. öko-faire Beschaffung. Eine Schülerin sprach von politischer Bildung und von Bildung für nachhaltige Entwicklung als „aufstrebende“ Querschnittsaufgaben. Ich finde, das beschreibt es sehr gut! Wir sollten auf die Kinder und Jugendlichen hören, schließlich gestalten wir ihre Zukunft. ***

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